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 Ansichten über den Ursprung der Hochgrade.

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Anoubis

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Anmeldedatum : 11.05.10

BeitragThema: Ansichten über den Ursprung der Hochgrade.   Fr 14 Mai - 2:42:58

Als die striete Observanz mit der Behauptung hervortrat, die wahre Freimaurerei werde von unbekannten Oberen geleitet, begann man natürlich in der freimaurerischen Welt nach diesen umbekannten Oberen zu suchen. Die Bezeichnung „schottischer Meister" ward die Veranlassung, dass man neben Anderen auch die Stuart's in Betracht zog, und fand, sie hätten wohl Ursache haben können, ihre Verbindung mit den Logen geheim zu halten.
Man nahm, wie so oft in den Geschichtserzählungen der Freimaurer, dann ohne Weiteres das Mögliche als wirklich und so bildete sich nach und nach die Ansicht aus, dass die schottische Maurerei hervorgegangen sei aus politischen Bestrebungen zu Gunsten der Stuarts.

Ungefähr um dieselbe Zeit leitete die Ausweisung der Jesuiten aus Frankreich die Blicke auch auf diesen Orden, und man begann, Freimaurer-Orden und Jesuiten-Orden mit einander zu vergleichen, und gab den Jesuiten Schuld, sich in den Freimaurer-Orden eingeschlichen, und wichtige Ein-richtungen desselben zu ihren Gunsten getroffen zu haben. Noch im Jahre 1788 erschien die Schrift von Bonneville: Les Jesuites ehassés de la Maconnerie et leur poignard brise par les Macons, worin nachgewiesen werden sollte, welch einen bedeutenden Einfluss die Jesuiten auf die Freimaurerei geübt hätten, und wie die Gelübde der vier ersten (372) Grade in völliger Uebereinstimmung wären mit den Gelübden der Jesuiten').

Die Vorliebe der Stuarts, namentlich Jacob II., für den Katholicismus wurde dann die Veranlassung, dass man beide Ansichten mit einander verband, und es bildete sich nun eine historische Auffassung aus, welche die Freimaurerei und namentlich die Entstehung der höheren Grade in die engste Verbindung brachte mit den geheimen politischen Bestrebungen der Jacobiten und Jesuiten.

Diese Ansicht wird am ausführlichsten dargelegt in Fessler's „Kritischer Geschichte der Freimaurerei und der Freimaurerbrüderschaft von der ältesten Zeit bis auf das Jahr 1812", die nur handschriftlich vorhanden ist. In diesem Werke versucht Fessler schon den Meistergrad, dann aber insbesondere die schottische Maurerei und die Rittergrade des Clermont'schen Hochcapitals ganz auf politische Umtriebe zurückzuführen. Er behauptet:

Als Carl I. von England, der die Baucorporationen sehr begünstigt habe, am 9. Februar 1649 enthauptet war, seien mehrere den Stuarts treuergebene Freimaurer zusammen getreten, und hätten den Meistergrad gegründet. Die Meisterlogen sollten ihnen Gelegenheit bieten, sich versammeln zu können, um über ihre geheimen Plane zu berathen, ohne dass es Aufsehen erregte. Lehrlings- und Gesellen-Grade seien dazu benutzt, diejenigen genauer zu beobachten und zu prüfen, welche man in die Verschwörung aufzunehmen wünschte. Die Hiram-Legende sei dazu erfunden, den zur Aufnahme geeignet Befundenen bei der Einweihung in den eigentlichen Geheimbund das Andenken an das unglückliche

*) Der zweite Theil der Schrift führt den besonderen Titel: Einerleiheit der vier Gelübde bei der Gesellschaft des heiligen Ignaz und der vier Grade in der Freimaurerei des heiligen Johannes. (373)

*

S. 274: ....Ende König Carl I. recht eindringlich zu machen. Der Zweck der ganzen Einrichtung sei aber gewesen, Carl dem Zweiten zur Wiedererlangung des englischen Thrones zu verhelfen.

Nachdem nun Monk im Jahre 1660 Carl den Zweiten nach London zurückgeführt, und dieser die Regierung über-nommen habe, sei eigentlich der Meistergrad überflüssig geworden. Man habe ihn aber beibehalten und der Hiram-Legende einen moralischen Sinn unterlegt.

Im Jahre 1671 erklärte sich der Herzog von York (der spätere König Jacob II.) öffentlich für die katholische Religion. Dafür ward er durch eine Bill des Parlaments von der Thronfolge in England ausgeschlossen. Dies habe seinen Anhängern die Veranlassung gegeben, nun die Freimaurer-Logen aufs neue zu politischen Zwecken zu benutzen. Fortan seien die Logen der Vereinigungspunkt geworden für die Anhänger des Herzogs und für ihre natürlichen Alliirten, die Katholiken. Ihre Wirksamkeit habe zugenommen, als der König Carl IL seinen Bruder, den Herzog von York nach Schottland gesandt habe, angeblich um das englische Volk wegen seines Katholicismus zu beruhigen, in der That aber, um die Schotten gegen die Ausschliessungsbill auf seine Seite zu bringen. In diese Zeit falle der einzig glaubwürdige Ursprung des schottischen Rittergrades des heiligen Andreas von der Diestel.

In diesem Grade konnte sich der Herzog Anhänger sammeln, die Gesinnungen des Adels, welcher des Ritter-schlages wegen ausschliesslich dazu eingeweiht wurde, theils erforschen, theils leiten, sich ohne Aufsehen mit seinen An-hängern versammeln, und Maassregeln zur Erreichung der politischen Absichten treffen. Als er durch dies Mittel erlangt hatte, dass die Ausschlussbill widerrufen wurde, und

(374)

dann nach Carl's II. Tode den Thron bestieg, wollte er den bisher heimlich gespendeten Andreas-Orden öffentlich herstellen. Allein die Unruhen und seine Flucht hinderten ihn an der Ausführung. Man musste einsehen, dass in Bri-tanien vorläufig nichts zu erlangen sei. Die meisten An-hänger des Königs folgten ihm nach Frankreich, und be-dienten sich nun der schottischen Maurerei nicht nur, um für die Wiedereinsetzung Jacob II., sondern nach einem durch die Jesuiten erweiterten Plan, um zugleich für die Wiederherstellung der päpstlichen Gewalt in England thätig zu sein. Man habe dann wirklich erreicht, dass Ludwig XIV. den König Jaeob II. mit einem Geschwader von vierzehn Schiffen nach Irland gesandt habe. Hier seien aber die Anhänger Jacob's am Boyne-Fluss völlig geschlagen, damit die Invasion zu Grunde gerichtet, Jacob selbst sei nach Frankreich zurückgeflohen. Ein zweiter Versuch scheiterte an der Tapferkeit der englischen Flotte bei La Hogue 1692. Als durch diese Niederlagen die bisherigen Bestrebungen vereitelt waren, kamen die Verbündeten in Britanien und Frankreich zu der Ueberzeugung, dass ein glücklicher Aus-gang nur zu erwarten stehe, wenn, ehe man den öffentlichen Kampf erneuere, zuerst das Haupt der Gegner, König Wilhelm, unschädlich gemacht werde. Das Gelingen ihrer Absichten sei deshalb von der Erfüllung zweier Bedingungen abhängig: 1, müsse Jacob II. eine Königliche Ordre eigen-händig unterschreiben und mit dem grossen Siegel beglau-bigen, worin befohlen würde, Wilhelm von Oranien als Ursurpator des englischen Thrones aufzugreifen; und 2, müsse Frankreich zu gleicher Zeit eine ausreichende Truppenmacht den Verschwornen zu Gebote stellen. Ohne die Königliche Ordre würden die meisten Jacobiten die Aufhebung Wilhelm's für eine niedere Meuchelthat, und ohne bewaffnete Unter-

(375)

stützung von Seiten Frankreichs jedes Unternehmen von vornherein für einen verfehlten Versuch halten. Das Erste habe man nun erlangt. Die in den Plan vollständig eingeweihten Häupter der Verschwörung, Jacob Franz, Herzog von Berwick, ein natürlicher Sohn Jacob II., Robert Charnoek, Peter und Jacob Frind, Eduard King und Thomas Reys hatten in dem unterirdischen Gewölbe, welches unter der Kirche des Profosshauses der Jesuiten zu geheimen nächt-lichen Conferenzen bestimmt war, dem Pater La Chaise, dem Beichtvater Ludwig XIV. folgenden Eid geleistet:

„Wir Unterzeichnete hier ehrerbietig und andächtig vor dem Angesicht des heiligen und grossen Baumeisters, vor-züglich aber unter den reinen und hellsehenden Augen des heiligen Ignatius Versammelten, der die Unschuld derjenigen schützt, die Muth und Stärke genug haben, für unterdrückte Staaten zu streiten, wir geloben und versprechen, unser Wort bis an den letzten Augenblick unsers Lebens zu halten, indem wir auch unter den grössten Foltern, mit denen man uns belegen möchte, nie bekennen wollen, dass der aller-höchste König, die ehrwürdigen Väter Jesuiten, unsere Brii-der und Jacob II. uns den ersten Anschlag zur Ermordung Wilhelm's, des Prinzen von Oranien gegeben haben, unter der Strafe, die Qualen der Hölle und des grössten höllischen Feuers ewig zu dulden, und auf ewig aller Linderung, aller Ruhe und alles Friedens beraubt zu werden. Dies ver-sprechen wir unsern Meistern und Oberen, dem Pater La Chaise und dem Erzbischof von Paris.

Geschehen am 10. Januar 1696 in der dunklen Kammer. Der Herzog von Berwick, Charnoek, Frind, King, Reys." Gegen diese Verpflichtung habe dann Jacob II., der seit 1691 sich theils in St. Germain en Laye, theils im Jesuiten Collegium Clermont zu Paris aufhielt, dem Herzog von

(376)

Berwick und dem Ritter Barelay folgende Ordre ausgestellt:

„Wir Jacob II., durch Gottes Gnade König von Grossbritanien, bekennen aufrichtig, dass wir in die fromme Absicht unsres natürlichen Sohnes Jacob Franz, Herzog von Berwick, gewilligt haben, sieh unsrer Sache anzunehmen, und unser Unglück mit uns zu theileu, indem er uns an unsern Feinden rächen, und unsern Schwiegersohn, den Prinzen von Oranien, in seinem Winteraufenthalt angreifen will, mag dies auch auf jede Art geschehen, auf welche es nur wolle, da er von den ehrwürdigen Vätern Jesuiten und Ludwig dem Grossen, unserm Bruder und Bundesgenossen, der ebenso, wie wir, mit den Jesuiten in einem Orden ist, belehrt worden; dass es kein Verbrechen, ja nicht einmal eine Sünde, die im Fegefeuer gebüsst werden müsste, sei, das ungerechte Blut eines ketzerischen Prinzen oder einer ketzerischen Prinzessin zu vergiessen, welche die Staaten in Verwirrung bringen. Daher ertheilen wir ihm hiermit den Auftrag, alle Personen in England und sonst wo, die sich jenen Absichten widersetzen, zu verbrennen oder zu ermorden.

St. Germain en Laye den 30. Januar 1696.
gez: Jacob II."
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